Donnerstag, 17. Oktober 2019

Keine Nulllohnrunde als Gegenleistung für die 35 Stunden Woche!


Keine Nulllohnrunde als Gegenleistung für die 35 Stunden Woche!
Die jährlichen Verhandlungen für die verschiedenen Kollektivverträge im Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich stehen wieder vor der Tür.
Für den SWÖ-KV bereiten gerade die gewerkschaftlichen Verhandlungsgremien ihre Forderungen vor. Und da fallen schöne Worte wie `volles Eintreten für die 35 Stunden Woche' aber auch verstörende Worte wie 'Nulllohnrunde'...
Als 'Sozial, aber nicht blöd' wollen wir mit diesem offenen Brief klar Stellung beziehen: Hier klicken zum Download


Wir rufen alle Betriebsratsgremien und Gewerkschaftsmitglieder auf, auch ihre Meinung an das Verhandlungsteam zu schicken (für den Bereich zuständige Gewerkschaftssekretärin: eva.scherz(a)gpa-djp.at) Gerne könnt ihr auch unseren Brief dazu (mit-)verwenden!
Mitte November wird das Forderungsprogramm für die SWÖ-KV-Verhandlungen beschlossen werden.


Wir freuen uns auf eine kämpferische KV-Verhandlungszeit!





Rückschau: Gelungene Kundgebung gegen Sozialkahlschlag


Rückschau: Gelungene Kundgebung gegen Sozialkahlschlag

Zahlreiche Gespräche mit PassantInnen, viele verteilte Flugblätter, unterschiedliche RednerInnen mit interessierten Zuhörenden – die Aktion von „Sozial, aber nicht blöd“ am 11.10. in Wien war ein Erfolg. Hier geht’s zu ein paar Impressionen in Bildern:


Samstag, 29. Juni 2019

Update Caritas: Einigung zwischen BR und Geschäftsführung

Vorab möchten wir auf unser öffentliches Treffen am Montag 1.Juli im
Cafe C.I. - Club International
Payergasse 14, 1160 Wien
um 18:00  hinweisen.
 


Beim Konflikt über die Auslagerung der Reinigungskräfte der Caritas gibt es also eine Einigung zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Der Konflikt wird von der Caritas, also von der Geschäftsführung UND dem Betriebsrat, übereilt ad acta gelegt. Orf.at berichtet bereits darüber - und überhaupt ist auf einmal alles sehr schnell gegangen. Wir meinen: Viel zu schnell! Mit dem starken Rückenwind von der Belegschaft wäre für den Betriebsrat viel mehr möglich gewesen!

Doch zunächst:
Was genau beinhaltet diese Einigung und was bedeutet sie für derzeitige und zukünftige Reinigungskräfte?
 
Magdas wird nicht unter den Caritas-Kollektivvertrag gestellt!
Der Betriebsrat gibt damit seine wichtigste Forderung auf und die Caritas bleibt ein Zweiklassen-Unternehmen mit zwei unterschiedlichen Kollektivverträgen. Für alle zukünftigen Reinigungskräfte bedeutet das 25% weniger Lohn. Wir von 'Sozial, aber nicht blöd' fragen uns: Wie konnte der Betriebsrat der Caritas so schnell dieser Niederlage zustimmen?

Es gab zu diesem Thema eine einstimmig beschlossene Resolution und noch im "Wien Heute"-Beitrag vom 21.6. betonte die Caritas-Betriebsrätin Gabriele Wurzer die Losung 'Eine Caritas – Ein Kollektivvertrag!'. Sie sah zu Recht die gesamte Belegschaft hinter sich und kündigte weitere Proteste an. Wo waren diese Proteste? Wieso gibt der Betriebsrat einen Kampf auf, bevor dieser überhaupt begonnen hat? Wir verlangen Antworten! Wir fordern eine weitere Betriebsversammlung, bei der die gesamte Belegschaft über das Zustandekommen dieses Deals informiert wird. Dabei muss es zu einer Urabstimmung darüber kommen, ob die Belegschaft diese Vereinbarung akzeptieren kann oder nicht! Wir von 'Sozial, aber nicht blöd' rufen dazu auf, diesen Kompromiss nicht zu akzeptieren, im Gegenteil: Jetzt muss es noch lauteren Protest geben und der Druck auf die Caritas und auch auf ihren Betriebsrat muss noch viel größer werden! Eine Caritas – Ein Kollektivvertrag!

Neben der Möglichkeit zu Aus- und Weiterbildungen können 'die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt konkret zwischen einem freiwilligen Abfertigungsmodell und einer Beibehaltung ihres aktuellen Lohnniveaus mittels einer Umstiegsprämie wählen. Für Kollegen, für die ein Wechsel zu magdas oder das Ergreifen eines anderen Berufes nicht infrage kommt, gibt es die nun mit dem Betriebsrat akkordierte Möglichkeit, bei der Caritas beschäftigt zu bleiben' (caritas.at). Dieser Deal könnte tatsächlich allen derzeitigen Reinigungskräften helfen, ihre Einkommensverluste zu kompensieren.

Doch für uns sind dabei noch einige Fragen offen:
  • Was genau beinhaltet dieses freiwillige Abfertigungsmodell? 
  • Wie lange gilt diese Umstiegsprämie? 
  • Wird sie jährlich mit den Lohnsteigerungen angepasst oder langsam von diesen aufgefressen? 
  • Ist diese Umstiegsprämie damit wirklich eine Garantie der Caritas, die Gehaltsverluste der betroffenen Frauen nachhaltig auszugleichen, oder werden die Lohneinschnitte damit nur ein paar Jahre nach hinten verschoben?
  • Ist dies wirklich eine Jobgarantie unter dem Caritaskollektivvertrag für alle - und zwar wirklich alle! - Reinigungskräfte, die nicht zu magdas wechseln und keine Umschulungen in Anspruch nehmen wollen? 
  • Bedeutet dies auch, dass Reinigungskräfte, die schon zu magdas gewechselt sind oder ohne Wechsel gekündigt wurden, nun die erneute Möglichkeit zur Rückkehr unter den Caritas-Kollektivvertrag haben? 

Die Caritas muss ihre eigenen Worte nun ernst nehmen und auch allen Frauen, welche die Caritas aufgrund dieser Umstrukturierung bereits verlassen haben, einen neuen Job unter dem Caritas-Kollektivvertrag anbieten!
All diese offenen Fragen gehören in einer Betriebsversammlung mit abschließender Urabstimmung beantwortet!

Wir laden alle Caritas- und magdas-Mitarbeiter*innen sowie Supporter*innen zu unserem Planungstreffen am Montag ein:
https://www.facebook.com/events/558159918050868/
Weiteres folgt morgen!

Dienstag, 11. Juni 2019

Caritas - Reinigungskräfte outsourcing

Neues von der Caritas! Leider...

Bitte teilen und weiter verbreiten!

Eine Belegschaft - Ein Kollektivvertrag! Wir lassen uns nicht spalten!
Stell dir vor, du kommst wie immer an deinen normalen Arbeitsplatz und erledigst die gleiche Arbeit wie sonst auch – nur von heute auf morgen bekommst du dafür bis zu €200 weniger! Sowas geht doch nicht! Oder?

Doch, denn genau das plant die Geschäftsführung der Caritas Wien mit unseren Caritas-Reinigungskräften! Und zwar sollen die noch direkt bei der Caritas angestellten Reinigungskräfte zukünftig zu Magdas, einem Tochterunternehmen der Caritas Wien ausgelagert werden. Damit sind sie aber nicht mehr im Caritas Kollektivvertrag, sondern werden nach einem für sie ungünstigeren Kollektivvertrag entlohnt. Das bedeutet gleiche Arbeit, weniger Lohn!

Die von der Caritas-Geschäftsführung vorgeschobene Professionalisierung und Vereinheitlichung der Reinigung ist nur eine Ausrede für den tatsächlichen Grund der Auslagerung an Magdas, nämlich die erheblichen Einsparungen beim Gehalt der betroffenen Frauen. Die Reinigungskräfte arbeiten großteils schon lange im Betrieb. Sie kennen ihr Handwerk genau, sonst wären sie nicht für diese wichtigen Aufgaben in einer Organisation mit so vielen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen (mit naturgemäß hohem Besucher*innenaufkommen) und zahlreichen Wohn- und Pflegeheimplätzen angestellt worden.

Während die Caritas offiziell "Armut ist weiblich" anprangert, treibt ihr Management hinter den Kulissen ein doppeltes Spiel, denn der Wechsel zu Magdas bedeutet für unsere Reinigungskräfte, deren Einkommen eh schon nicht üppig sind, künftig am Monatsende um die 20% weniger im Geldbörserl zu haben! So wird weibliche und oftmals migrantische Armut zementiert. Sollte die Caritas als soziale Organisation nicht eigentlich angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen bereitstellen, die vielleicht sogar Vorbildwirkung für andere Bereiche haben könnten? Nein, die Caritas-Geschäftsführung tut genau das Gegenteil: Mit dieser Umstellung verschärft sie die Lebenssituation unserer Reinigungskräfte noch einmal deutlich.

Damit reiht sich die Caritas als Non-Profit-Organisation in die Liga der Unternehmen am sogenannten "Freien Markt" ein, die durch Beauftragung von Sub-Unternehmen Preiskampf, Lohndumping und "Flexibilisierung" auf dem Rücken der Beschäftigten vorantreiben.
Ein weiterer, dem Caritas-Management wahrscheinlich nicht unwillkommener Effekt dieser Auslagerung an Magdas ist die Spaltung der Caritas-Belegschaft, das Zerstören von Gemeinsinn und Organisierbarkeit - wie war das noch mal mit Wir>Ich?

Nicht mit uns! Wir gehören zusammen! Zeigen wir uns solidarisch und wehren wir uns gemeinsam gegen diesen Angriff auf unsere Reinigungskräfte! Deswegen fordern wir eine sofortige Rücknahme dieser Pläne und bei allen Reinigungskräften, bei denen diese Umstellung schon passiert ist, eine sofortige Rückführung unter den Caritas-Kollektivvertrag!

Wir als Belegschaft der Caritas müssen zusammen mit unseren Betriebsrät*innen:

  • diesen Kollektivvertragswechsel der Reinigungskräfte inklusive Lohndumping durch ein Sozialunternehmen öffentlich anprangern! Es braucht Kundgebungen, Betriebsversammlung im öffentlichen Raum, Protestschreiben an die Medien und vieles mehr!
  • Solidarische Arbeitskampfmaßnahmen aller Beschäftigten der Caritas gemeinsam, von passiver Resistenz bis zu Warnstreiks, gegen diese Kollektivvertrags-Flucht einleiten!
  • zusammen mit der Gewerkschaft eine schon lange notwendigen Kampagne gegen Lohn-Dumping durch Kollektivvertrags-Wechsel und Auslagerungen starten!
Wenn du auch bei der Caritas arbeitest:
Was kannst du tun?
  • Komm zur Betriebsversammlung am 17.6. - es gibt einen Vormittags- und einen Nachmittagstermin (um 9:00 bzw. um 17:00 im Leopold Ungar Haus / Elisabethsaal)!
  • Unterstütze die Unterschriftenaktion der Betriebsräte von HiN und Gesmbh gegen die Auslagerung der Caritas-Reinigung! Karten zum unterschreiben kannst du dir vom Betriebsrat holen oder sende eine PN an uns, wir haben auch Karten!
  • Sprich mit deinen Kolleg*innen und Reinigungskräften darüber! Sichere ihnen deine Unterstützung und Solidarität zu! Verbreite den Aufruf der Caritas-Betriebsräte an die Reinigungskräfte, im Moment nichts zu unterschrieben!
  • Kontaktiere deine/n Betriebsrät*innen und unterstütze unsere Forderungen!

Montag, 6. Mai 2019

Mindestsicherung, Pflege ...


Liebe KollegInnen,


In den letzten Wochen waren wir stark in der Bewegung gegen die Kürzung der Mindestsicherung engagiert. Für uns als ArbeitnehmerInnen im Sozialbereich ist es wichtig, hier eine klare Haltung zu haben und Teil des Widerstandes zu sein. Die Kürzungen bedeuten eine Verschärfung der Armutssituation für Betroffene. Abgesehen davon, dass es auch in Teilen des privaten Sozial- und Pflegebereiches von Armut betroffene KollegInnen gibt, sehen wir nicht ein, dass wir (zB. als SozialarbeiterInnen) dieses Gesetz gegen unsere „KlientInnen“ einsetzten sollen. Um keine „MittäterInnen“ zu werden, ist es neben dem Widerstand auf der Straße, auch wichtig den Widerstand an unseren Arbeitsplätzen zu organisieren. Nach dem Beschluss im Nationalrat am 25.4. 2019 wird der Widerstand auf der regionalen Ebene immer wichtiger. Das Gesetz muss ja noch von den Bundesländern umgesetzt werden.
Umso wichtiger ist unsere Protestaktion gegen die Verschlechterung bei der Mindestsicherung in Linz! Die Aktion startet am 07.05.2019 um 16:00 am Taubenmarkt.

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In den nächsten Wochen wollen wir uns intensiver mit dem Thema „Pflege“ beschäftigen. Vor allem die Arbeitsbedingungen in der Hauskrankenpflege und in privaten Pflegeheimen wollen wir uns näher anschauen. Im Hinblick auf die nächsten KV-Verhandlungen 2020 beim Wiener Roten Kreuz, die Sozialwirtschaft Österreich –SWÖ , der Caritas und der Diakonie wollen wir uns überlegen, welche Kampagnen wir speziell bei dem Thema Pflege starten können.
Am 10. 5. 2019 treffen wir uns um 19:00 in Wien im Amerlinghaus im Raum 3 um uns über die Situation in der Pflege auszutauschen. 
Alexandra Prinz, Diplomierte Krankenpflegerin, Aktivistin von „Sozial, aber nicht blöd“ arbeitet seit vielen Jahren in der Pflege.
Sie teilt ihr Wissen und ihre Erfahrung regelmäßig in verschiedenen Medien (zuletzt in der Wiener Zeitung und auf Ö1). In einem kurzen Impulsreferat wird sie sich mit dem aktuellen Pflege Notstand und den Arbeitsbedingungen in der Pflege auseinandersetzten.
10.05. 19:00 Amerlinghaus Raum 3 Stiftgasse 8 1070 Wien

https://www.facebook.com/events/1824536127645851/


Gastkommentar von Alexandra bei der Wiener Zeitung:
https://www.wienerzeitung.at/meinung/gastkommentare/1017593-Wo-bleibt-der-Pflege-Masterplan.html
Apropos Pflege:
Seit 01.01 2018 gilt bei der Gemeinde Wien ein neues Gehaltsschema. Neben einigen Verbesserungen für neue KollegInnen, werden vor allem KollegInnen die seit ein paar Jahren bei der Gemeinde Wien arbeiten benachteiligt.
Besonders im Wiener Krankenanstalten Verbund gibt es viele Betroffene.
Hier setzt sich die Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ für eine Reihe von Verbesserungen ein. Nach einigen erfolgreichen Aktionen startet die Initiative am 07.05. 2019 eine Demonstration ab 16:00 im Sigmund Freud Park in Wien Alsergrund (gleicht bei der Uni Wien). Wir von „Sozial, aber nicht blöd“ rufen dazu auf sich an der Demo zu beteiligen.
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Im Wohnungslosenbereich hat sich in den letzten Monaten in Wien einiges verschlechtert. Obdachlosenunterkünfte werden zu „Chancenhäusern“ umgebaut. Was gut klingt, heißt in der Praxis oft, dass obdachlose Menschen mit weniger Betreuung auskommen müssen. Damit sind auch Personaleinsparungen und Kündigungen (etwa durch die Abschaffung von Nachtdiensten) verbunden.
Die neue Basisinitiative „Sommerpaket“ dreht jetzt den Spieß um. Sie wollen aus den Winterpaketmaßnahmen der Gemeinde Wien (dem Angebot an Notschlafstellen im Winter) ganzjährige Unterkünfte für obdachlose Menschen machen. Das würde ganzjährige Unterkünfte für die betroffenen Menschen und ganzjährige Arbeitsplätze für die betroffenen KollegInnen bedeuten.
Sozial, aber nicht blöd“ unterstützt die Initiative „Sommerpaket“. Nach einer erfolgreichen Aktion am 1.Mai wird es hoffentlich weitere Aktionen geben. – Wir würden uns freuen!
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Seit einigen Monaten ist „Sozial, aber nicht blöd“ keine reine Wiener Basisinitiative mehr. Auch in Linz und Graz sind neue Gruppen entstanden. Diese haben sich schon mit Streikworkshops, verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen auf der Straße recht deutlich zu Wort gemeldet.
Für den Herbst planen wir ein bundesweites Treffen um unseren weiteren Aufbau zu koordinieren. Wenn auch Du daran Interesse hast melde Dich bei uns.
Egal ob Caritas, SWÖ oder Diakonie, wir sagen nach den Kollektivvertragsverhandlungen ist vor den Kollektivvertragsverhandlungen! Wir bilanzieren derzeit unsere Arbeit bei den KV-Verhandlungen bei der „Sozialwirtschaft Österreich“- SWÖ und der Caritas und wir bereiten uns auf die nächsten Verhandlungen vor. Ein wichtiger Teil davon sind die BetriebsrätInnenkonferenzen der Gewerschaft GPA-DjP. Dort bringen wir uns unter anderen mit einem Antrage auf eine Urabstimmung über das nächste Verhandlungsergebnis ein.

Freitag, 3. Mai 2019

Öffentliches Treffen zum Thema Pflege


 Liebe KollegInnen,

Wir wollen uns bei unserem nächsten 'Sozial aber nicht blöd' Treffen mit den Arbeitsbedingungen in der Pflege beschäftigten.

Deswegen freut uns besonders, dass Alexandra Prinz bei dem Treffen dabei sein wird. Sie hat sich im Rahmen ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Praxis sehr viel mit dem Thema beschäftigt und wird ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu dem Thema einzubringen.


Amerlinghaus
Stiftgasse 8
1070 Wien
Freitag 10.5.2019
19:00-21:00





Falls du oder ihr in der Pflege arbeitet (egal ob mobil oder stationär oder in einer WG,...) würde es uns freuen dich/euch begrüßen zu dürfen!


https://www.facebook.com/events/1824536127645851/

Donnerstag, 28. März 2019

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen

Mit etwas Abstand wollen wir die Bewegung im Sozialbereich und Pflegebreich zu den vergangenen KV-Verhandlungen reflektieren.

Eines vorneweg: Ja, die diesjährigen Abschlüsse bei SWÖ, Caritas und den anderen relevanten Kollektivverträgen sind leider wieder einmal enttäuschend. Die Löhne im Sozial- und Gesundheitsbereich bleiben damit unter dem österreichischen Durchschnitt und dass uns mehr Urlaubstage als echte Arbeitszeitverkürzung verkauft werden, zeigt ein Missverständnis unseren Forderungen gegenüber. Eine echte Arbeitszeitverkürzung bedeutet höhere Löhne und damit auch im Fall von Arbeitslosigkeit oder Krankheit eine bessere soziale Absicherung für alle!


Trotzdem sehen wir auch, dass der Abschluss etwas besser als der vom Jahr davor ist. Dies haben wir auch jenem Teil der Betriebsrät*innen zu verdanken, die sich von Anfang an aktiv und kritisch eingebracht haben und sehr gute Forderungen formuliert haben. Doch ohne Unterstützung von der Basis bewegt sich meistens wenig.

Die diesjährige Basisbewegung war beeindruckend und darf durch den enttäuschenden Abschluss nicht schlecht geredet werden! Es gab wieder einen bundesweiten Streik und was uns besonders freut: Dieses Mal war er noch sichtbarer, noch öffentlicher als letztes Jahr. In Wien gab es eine öffentliche Streikversammlung, getragen von der Belegschaft verschiedenster sozialer Einrichtungen, auch in Innsbruck gab es eine Demonstration. Die Lebenshilfe in Salzburg nützte den Streik um mit einer öffentlichen Aktion auf die eigene schwierige Arbeitssituation aufmerksam zu machen. Auch in vielen anderen Betrieben (ÖHTB, Hilfswerk und viele mehr) gab es wieder sehr gute und wichtige Streikaktionen! Und was wir noch besonders hervorheben möchten: Es gab wieder gelebte KV-übergreifende Solidarität. Mehrere Mitarbeiter*innen und ganze Einrichtungen der Caritas sprachen öffentlich ihre Unterstützung für die Streiks aus!

Wir wollen diese Zeilen auch nützen, um allen Beteiligten dieser Bewegung unseren Dank auszusprechen! Wir wissen, wie viel Kraft und Energie für so etwas notwendig ist und haben tiefen Respekt vor allen, die sich engagieren, organisieren und ihre wenige Freizeit für eine so gute Sache hergeben!
Wir von 'Sozial, aber nicht blöd' waren uns unsicher, wie es dieses Jahr wird.
Wir wussten nicht, ob die letztjährige Enttäuschung über den vorzeitigen Streikabbruch und den schlechten Abschluss heuer eine neuerliche Initiative verhindern würde. Umso beeindruckter waren wir von der diesjährigen Bewegung im Sozialbereich und hoffen, dass der wieder einmal nicht zufriedenstellende Abschluss auch für die nächsten KV-Verhandlungen genügend Energie freisetzt, um wieder eine große bundesweite Bewegung zu ermöglichen!

Doch was waren die Schwachpunkte unserer Bewegung?
Hier stellt sich für uns als erstes die Frage: Wie können wir vorzeitige Streikabbrüche verhindern?
Ist es überhaupt möglich? Wir wissen es (noch) nicht.
Diese Frage wird uns bis zu den nächsten Verhandlungen beschäftigen und wir freuen uns über jeden Input!
Auch muss betont werden, dass der vorzeitige Caritas-Abschluss dieses Jahr für die SWÖ-Verhandlungen nicht gerade hilfreich war. Hier zeigt sich auch eine große Schwäche unserer Bewegung. Wir müssen es schaffen KV-übergreifend aktiv zu werden. Die verschiedenen KV-Verhandlungen (SWÖ, Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz,...) im Sozialbereich beeinflussen sich gegenseitig und nur wenn wir als Bewegung KV-übergreifend Druck ausüben, können wir verhindern, dass wir gegeneinander ausgespielt werden.

Deswegen hoffen wir nächstes Jahr wieder auf eine große, bunte und laute Bewegung, nur dieses Mal auch wirklich im gesamten Sozialbereich und Pflegebreich! Wir werden wieder unsere Streikworkshops anbieten (diesesmal waren wir z.B. in Wien, Graz und Innsbruck) und auch sonst wieder alles tun, um diese Bewegung zu unterstützen und freuen uns schon darauf!